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Die historische Stauferburg

(Besterhaltene Stauferburg Deutschlands)

Die Gegend um Kocher und Jagst war schon sehr frühzeitig besiedelt, wie die Ausgrabungen, insbesondere auch in Regenbach an der Jagst, zeigen. Irgendwann im 9. und 10. Jahrhundert wurde eine Familie, die in der Nähe vom heutigen Bartenstein eine Burg besaß und die drei Barten im Wappen trug - die Franziska - mit Königsgut in der Umgebung von Künzelsau belehnt. Sie baute vermutlich die erste Befestigungsanlage auf dem Kocherstein und nannte sich "vom Stein". Aus dieser Familie stammt die sagenumwobene Gestalt der Mechthild von Stein, die einen Großteil der Besitzungen ihres Mannes an das Kloster Comburg schenkte. Um 1090 existierten (wie die Urkunde von 1098 beweist) die Familien von Künzelsau und von Stetten sowie von Zottishofen, die ihren Ursprung auf die Familie Stein zurückführen.


Die Herren von Stetten haben mit ziemlicher Sicherheit zu dieser Zeit in Stetten ob Kocher - später Kocherstetten - gesiedelt und zogen erst im 12. Jahrhundert auf den Berg, nachdem sie sich dort eine größere Befestigungsanlage gebaut hatten. Andere Zweige der Familie siedelten auf dem Bachenstein oberhalb von Döttingen, Nagelsberg, Gabelstein (Michelbach/Öhringen) und weiter westlich Wunnenstein, Auenstein, Beilstein und anderen Orten.
In Künzelsau selbst waren dann zunächst zwei Familien ansässig, die Herren von Künzels"awe" und von Barten"aw". An diesen beiden Namen erkennt man deutlich, dass sich die eine Familie nach dem Wappen der "Barten" nannte, die in einer Aue siedelten und die andere nannte sich nach dem kleinen Bach Künzel, der die Aue geformt hatte. Die Anfänge der Burg Stetten waren sicher älter als die heute noch im Original vorhandenen Grundmauern der Burg, des Bergfrieds und der Schildmauer, die zwischen 1180 und 1200 erbaut wurden. Nach der Überlieferung hat Kaiser Friedrich Barbarossa 1185 die Genehmigung zur Errichtung dieser Burganlage seinen treuen Ministerialen Stetten gegeben.

Auch damals brauchte man diese vom Landsherrn, das waren die Herzöge von Franken - in diesem Zeitraum zugleich Könige und Kaiser -, um eine befestigte Anlage zu bauen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burganlage immer wieder erweitert. Die jetzige Eingangssituation mit dem Torhaus und dem zweiten Graben stammen aus der Zeit zwischen 1420 und 1450. Beide Burggräben hatten Zugbrücken. Die innere Zugbrücke wurde beim Bau des Barockhauses 1715 / 1716 zugeschüttet, die zweite Brücke über den Äußeren Burggraben um 1830 durch eine Steinbrücke ersetzt.


Alle Bauten - mit Ausnahme von Schildmauer und Bergfried - wurden im Laufe der Jahrhunderte verändert, teilweise abgerissen und durch neue ersetzt. Die letzten großen Veränderungen gab es in den Wohngebäuden, die an den Bergfried und die Schildmauer angehängt wurden, im Nordflügel 1519. Der schöne fränkisch-alemannische Fachwerkbau ist aus dieser Zeit. Umbauten im Süd- und Westflügel lassen sich auf etwa 1590 zur Zeit des Ausbruchs des Erkers in der Schildmauer datieren. Die letzte größere Veränderung innerhalb der Burganlage war der Bau des Barockschlosses 1715 / 1716.

Im 30-jährigen Krieg war die Familie Stetten kurz vor dem Aussterben, wenn nicht Wolf-Eberhard v. Stetten, der 1644 als schwedischer Rittmeister starb und in Künzelsau beerdigt wurde, drei kleine Söhne gehabt hätte: Johann Heinrich geb. 1638, Johann Ernst geb. 1640 znd Wolf Christoph geb. 1643.
Diese drei teilten in jahrzehntelangen Verhandlungen nach ihrer Volljährigkeit die Besitzungen. Der endgültige Teilungsprozess von 1692 zeitigte das Ergebnis: Gemeinsam blieb der "Gemeinbau", das waren die Wehranlagen, Mauern, Türme, Gräben, Schildmauer, Bergfried und Kapelle. Das Innere Haus nahm seinen Sitz in den Wohngebäuden der Burg, das Äußere Haus in dem damals noch vorhandenen kleineren Gebäude vor der Burg, und das Buchenbacher Haus übernahm das Schlösschen und Herrenhaus in Buchenbach.

Umfangreiche Umbauten wurden immer wieder auch an den Gutsgebäuden vor der Burg vorgenommen. Die größten Umbauten wurden ab 1983 in den vorhandenen Gebäuden vorgenommen und mit Neubauten ergänzt.

 

 

 

Die Burganlage

1. Innere Burg  
2. Bergfried 
3. Schildmauer 
4. Archivturm 
5. Brigittenturm  
6. Namenloser Turm 
7. Rundturm 
8. Kapelle

9. Innerer Graben
10. Vorburg 
11. Torturm und Brücke
12. Vorgeschobene Rundtürme 
13. Äußeres Haus
 
14. Äußerer Graben 
15. Wirtschaftshof 

 

 

 

Torhaus

Etwa bei zwei Fünftel der östlichen Verteidigungsanlage befindet sich das Torhaus mit einem Grundriss von ca. 4,70*6,50 m. Es steht schräg in den Burggraben hinein und dementsprechend ist auch die Brücke schräg angelegt. Das Torweggeschoß ist aus Bruchsteinen gemauert und endet im ersten Stock mit einem Sockel von ca. 1,50 m über einem Rundbogenfries. Da der Bruchsteinsockel im ersten Stock von der Westseite her nicht vorhanden ist, schließen Bauhistoriker, dass der ursprüngliche Torturm von dieser Seite her offen war. Auf dem gemauerten Sockel sitzen heute zwei zusätzliche, vermutlich spätere Fachwerkgeschosse, welche von außen über eine Treppe zugänglich. Das Torhaus wurde 2004 letztmalig renoviert und beherbergt heute eine großzügige Gästewohnung der Residenz Schloß Stetten, sowie eine Uhr mit Glockenspiel zum Ein- und Ausleuten von Gottesdiensten in der Kapelle.

Die Schloßkapelle


Die Schloßkapelle in ihrer heutigen Form wurde im Jahr 1677 unter Wiederverwendung von Untergeschoß und Chorturm des Vorgängerbaus gebaut, die ebenfalls verwendete alte Eingangstür trägt die Jahreszahl 1436. Der zweistöckige Bau mit Schiff und Empore ist mit Sichtfachwerk gebaut, die Empore über eine Außentreppe erreichbar. Die Nordseite der Empore entstand später mit einem erkerartigen Vorbau für ein Orgelpositiv aus dem 18. Jahrhundert, welches noch bespielbar vorhanden ist. Die Kapelle ist ein protestantischer Predigtraum mit Chor und Kanzel kurz vor dem Chorbogen. So ist gesichert, dass von jedem Platz der Kapelle aus Kanzel und Altar sichtbar sind. Die Empore ist bemalt mit Wappen von benachbarten und verwandten reichsritterschaftlichen Familien. Die Kanzel und das Altarkruzifix sind Arbeiten von Johann Jakob Sommer (1645-1715) aus der bekannten Künzelsauer Künstlerfamilie. Die Kanzel mit gewundenen Säulen zeigt die vier Evangelisten in Bogennischen, der Schalldeckel den Hl. Geist als Taube mit Strahlenkranz. Die Kapelle wird heute im Rahmen der Familie und der Residenz Schloß Stetten genutzt. Hier finden regelmäßig ökumenische Wochenendandachten und Gottesdienste statt.

Die Innere Burg

Die innere Burg wurde um 1089 zur Zeit von Kaiser Friedrich Barbarossa gebaut. Sie besteht aus dem Bergfried, der Schildmauer und der die drei weiteren Seiten des Burgplatzes einschließenden Ringmauer. Dadurch besteht ein trapezförmiger Grundriss, welcher sich im Westen zum Tal hin aufgrund der geographischen Vorrausetzungen der Bergzunge verschmälert.

Der Bergfried misst 7,11 m im Quadrat und hat im unteren Teil eine Mauerstärke von 2,35 m und hat eine gemauerte Höhe von 22,50 m an der Nordwestkante. Die Schwelle seines Hocheingangs an der Westseite liegt bei 11,22 m über dem heutigen Erdgeschossfußboden. Der Bergfried hatte früher ein weiteres Fachwerkstockwerk mit einem Walmdach, anstatt des heutigen Zeltdaches, darüber hinaus ist anzunehmen, dass der Turm im Mittelalter eine zinnenbewehrte Plattform (eventuell mit Bedachung) hatte.

Die Schildmauer ist an ihrer Außenseite von unten aus größtenteils in Buckelquadern ausgeführt, die Innenseite besteht aus glatten Steinen mit einigen wenigen Buckelsteinen. Sie überragt auf der südlichen Seite das Gebäude an der Ringmauer um eine Geschosshöhe und endet bei 13 m Höhe mit einer Mauerstärke von 2,65 m unter dem später aufgesetzten Wehrgang. Das Tor in der Schildmauer ist 2 m breit und 3,70 m hoch und groß genug um zu zweit in den Hof einreiten zu können. In etwa 5,50 m TorsteinHöhe befindet sich ein ca. 0,40*1,20m großer Stein mit zwei Figuren. Links ein schreiender Esel, rechts eine wohl männliche Fratze mit herausgestreckter Zunge. Es gibt verschiedene historische Interpretationen zu diesem Stein, die wahrscheinlichste ist, dass es sich um eine ursprünglich keltische Arbeit – einen Gott mit Tierattribut darstellend – handelt, es könnte aber auch ein im Mittelalter beliebtes Hohnbild für Angreifer der Burg sein. Die Ringmauer um die Burg zeigt an allen Seiten gut gearbeitetes Muschelkalkmauerwerk. Sie verjüngt sich vom Untergeschoss von ca. 1,70 m Stärke auf ca. 0,70-1,00 m im zweiten Obergeschoss und ist je nach Geländeanschluss noch in voller Höhe (14 m) erhalten. Die Burg ist seit mehr als 800 Jahren Sitz der Familie der Freiherrn von Stetten und wird bis heute privat bewohnt.

Äußeres Haus

Der 1715-16 gebaute Barockbau ist auf und an alte Vorbauten angebaut. Das äußere Haus ist ein rechteckiges Gebäude von 15,25 m Breite und 23,44 m Länge. Es hat ein Sockelgeschoß und über einem kräftigen Gesims zwei weitere Stockwerke. Die Ecken des Hauses sind mit korinthischen Pilastern geschmückt, die Stockwerke durch ein flaches waagrechtes Band geteilt. Die Architekturteile sind aus gelbem Sandstein, das Haus aus Bruchstein gemauert und verputzt. Zum Wirtschaftshof hin schmückt das Haus ein Eingangsportal mit Freitreppe mit dem Allianzwappen von Stetten/von Ellrichshausen des Erbauers Johann Albrecht von Stetten und seiner Frau Anna Kunigunde. Den Abschluss des Hauses bildet ein klassisches Mansarddach.
Schlößchen BuchenbachSchlößchen BuchenbachIm Sockel befindet sich im Osten ein tonnengewölbter Keller, im Westen drei mit Kreuzgratgewölbe bestückte Wirtschaftsräume mit Fenstern nach Westen. Die beiden oberen Stockwerke haben die gleiche räumliche Aufteilung. Geteilt durch einen 2,40 m breiten Mittelflur befindet sich auf den Etagen jeweils in der Mitte der Westseite ein zweiachsiges zweiläufiges Treppenhaus mit Ballustradengeländer. Davor liegen jeweils ein einachsiges und ein zweiachsiges Zimmer, dahinter ein dreiachsiges. Auf der Ostseite liegen drei zweiachsige und ein einachsiges Zimmer. Alle Räume sind mit dem Flur und den benachbarten Räumen verbunden (Enfilade). Die Einteilung im Obergeschoss unterscheidet sich nur dadurch, dass der große Raum neben der Treppe hier unterteilt ist. Die Flure haben Sandsteinfußböden, zweifarbig mit Rosenspitzmuster, die Zimmer teilweise Tafelparkett und einfache Profilstuckdecken. Das Dach ist nicht ausgebaut. Das Äußere Haus war bis 2014, wie das Schlößchen der Buchenbacher Linie im Besitz eines Familienmitglieds aus Kanada. Es wartet auf eine dringend nötige Sanierung und weitere Verwendung. weitere Infos: www.barockschloss-stetten.de